Gott kann mit mir doch ziemlich zufrieden sein!

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„Im Grossen und Ganzen kann Gott mit mir zufrieden sein.“ So lautet der Titel dieses letzten Vortrages heute. Und das war die Antwort eines Mannes, dem ich die Frage stellte, ob er sich als einen guten Menschen bezeichnen und wie Gott ihn einschätzen würde: „Ich glaube, Gott würde zu einem abgerundeten Urteil kommen.“ So sagte er weiter. Viele Menschen scheinen davon überzeugt zu sein, dass es in ihrem Leben nur kleine Mängel gibt und dass sie diese entweder selber beheben können. Oder dass es die Möglichkeit gibt, mit Gott einen Deal zu machen, der ihnen dann hilft, wenn einmal das letzte Stündlein geschlagen hat.

Das ist keine moderne Vorstellung. Schon im Mittelalter gab es ähnliche Vorstellungen und die Kirche Roms förderte diese unter anderem durch den sogenannten Ablasshandel. Doch diese Vorstellung ist nicht nur falsch, sie ist auch schädlich. Darum hat Martin Luther, der die Auswirkungen dieser Lehren am eigenen Leib erfahren hat, so heftig bekämpft. Doch was genau ist das eigentlich, der Ablass? Ich möchte in diesem letzten Vortrag heute erstens die Lehre vom Ablass kurz darlegen, zweitens den theologischen Irrtum aufdecken, der hinter dieser Lehre steht und drittens die biblische Alternative aufzeigen.

Ablass – aktuell

Die Lehre vom Ablass war der eigentliche Anlass für den Thesenanschlag Martin Luthers. Luther wehrte sich gegen die Geschäftemacherei der Ablassprediger. Der Ablass hängt mit der Lehre des Fegefeuers zusammen. Das Dogma Roms lehrt, dass es ewige Sündenstrafe und zeitliche Sündenstrafe gibt. Es ist laut Rom wichtig, zwischen ewiger und zeitlicher Strafe zu unterscheiden. Die ewige Sündenstrafe ist der Verlust des ewigen Lebens. Die zeitliche Sündenstrafe ist die Folge jeder einzelnen Sünde. Das Purgatorium ist ein Ort der Reinigung, der die Seele von den Folgen der zeitlichen Sünde reinigt, bzw. geläutert wird.

Andererseits zieht jede Sünde, selbst eine geringfügige, eine schädliche Bindung an die Geschöpfe nach sich, was der Läuterung bedarf, sei es auf Erden, sei es nach dem Tod im sogenannten Purgatorium (Katechismus der kath. Kirche, S. 401).

Die zeitliche Sündenstrafe kann aber ebenfalls vergeben, oder verkürzt werden. Dazu dient der Ablass. Der Ablass wird auch „Kirchenschatz“ genannt. Das ist der Reichtum der Verdienste Christi, sowie Maria und der Heiligen (S. 402f). Weil alle Christen miteinander verbunden sind, so hat ein Christ Anteil an der Heiligkeit des anderen. Der römische Katechismus schreibt dazu:

In der Gemeinschaft der Heiligen „besteht unter den Gläubigen – seien sie bereits in der himmlischen Heimat oder sühnend im Reinigungsort oder noch auf der irdischen Wanderschaft – in der Tat ein dauerhaftes Band der Liebe und ein überreicher Austausch aller Güter“. In diesem wunderbaren Austausch kommt die Heiligkeit des einen den anderen zugute, und zwar mehr, als die Sünde des einen dem anderen schaden kann. So ermöglicht die Inanspruchnahme der Gemeinschaft der Heiligen dem reuigen Sünder, dass er von den Sündenstrafen früher und wirksamer geläutert wird. (S. 402)

Das bedeutet unter anderem, dass ich von der Heiligkeit der Heiligen profitieren kann und dass ich hier mit meinen guten Taten einem verstorbenen Heiligen helfen kann. Wie aber empfängt man nun aus dem reichen Kirchenschatz den Ablass zeitlicher Sündenstrafen im Purgatorium?

Ihn erlangt der Christusgläubige, der recht bereitet ist, unter genau bestimmten Bedingungen durch die Hilfe der Kirche, die als Dienerin der Erlösung den Schatz der Genugtuungen Christi und der Heiligen autoritativ austeilt und zuwendet. (S. 401)

Mit anderen Worten, der Priester legt fest, welche Werke der Busse notwendig sind, damit ihm ein Teil der zeitlichen Sündenstrafe im Purgatorium erlassen wird. Das können ein Gebet sein, eine Spende oder andere Gabe, Werke der Barmherzigkeit, ein Dienst am Nächsten, ein freiwilliger Verzicht, ein Opfer darbringen, die Eucharistiefeier zugunsten eines Verstorbenen, das willige Akzeptieren eines Kreuzes, usw. (siehe Katechismus der katholischen Kirche, S. 398).

Zur Zeit Luthers waren es sogenannte Ablassbriefe, die man kaufen konnte, um einen Teilerlass der Zeit im Fegefeuer zu erhalten. Sie wurden von Kardinälen ausgestellt. Dieser Handel war es, wie gesagt, den Luther dazu veranlasste, die 95 Thesen zu veröffentlichen. Die Lehre vom Ablass ist nach wie vor ein fester Bestandteil der römischen Erlösungslehre. Die obigen Zitate sind alle nicht aus dem Mittelalter, sondern aus dem Katechismus der römisch-katholischen Kirche, der im Jahr 1993 herausgegeben wurde.

Der Irrtum des Ablasses: unsere Werke haben sühnende Kraft

Der grösste Irrtum der Lehre vom Ablass besteht darin, dass diese Lehre zum Verständnis führt, dass unsere Werke die Grundlage der Sühne von Sünde sind. Natürlich lehrt auch Rom, dass der Ablass aufgrund des Werkes von Jesus gegeben wird. Christus ist der Kirchenschatz, aus dem der Ablass gegeben wird. Doch handelt es sich dabei letztlich um einen Tauschhandel: Eine bestimmte, begrenzte Sühne wird vom Priester gewährt gegen bestimmte, begrenzte Werke des Sünders. So wird das begrenzte Werk des sündhaften Menschen zur Grundlage eines begrenzten Sündenerlasses.

Das ist natürlich problematisch. Die Bibel lehrt uns, dass die menschlichen Werke keinerlei Kraft oder moralische Tadellosigkeit besitzen, um vor Gott etwas zu gelten. Hören wir, was der Prophet Jesaja sagt (Jesaja 64,4-5):

Ach, dass du einen anträfest, der freudig Gerechtigkeit übt, solche, die auf deinen Wegen an dich denken! Siehe, du, du zürntest, weil wir von jeher gegen dich gesündigt und mit dir gebrochen haben. Wir alle sind wie ein Unreiner geworden und all unsere Gerechtigkeiten wie ein beflecktes Kleid. Wir alle sind verwelkt wie das Laub welkt, und unsere Sünden trugen uns davon wie der Wind.

Der Heilige Geist lässt uns hier wissen: Es gibt keinen, der freudig Gerechtigkeit übt, mit anderen Worten, der reine Motive hat beim Verüben von Gottes Geboten. Selbst unsere Gerechtigkeiten – also selbst unsere guten Werke und Taten sind wie ein unreines Kleid. Auch Paulus muss den religiösen Menschen seiner Zeit einen Spiegel vors Gesicht halten (Ausschnitte aus Römer 3,10-20):

… wie geschrieben steht: „Da ist kein Gerechter, auch nicht einer; … da ist keiner, der Gutes tut, da ist auch nicht einer.“ … Darum: aus Gesetzeswerken wird kein Fleisch vor ihm gerechtfertigt werden.

Paulus spricht hier zu den religiösen Juden. Er erklärt, dass kein menschliches Werk ausreicht, um sühnenden Charakter zu haben, weil die menschliche Natur das Problem ist. Jede noch so fromme Tat ist eine sündhafte Handlung, weil sie aus einer sündhaften Natur hervorkommt. Selbst Paulus muss von sich – dem gerechtfertigten und geheiligten Apostel – bekennen (1. Timotheus 1,15):

Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin.

Paulus sagt hier: Er ist der erste der Sünder. Er sagt nicht: „… von denen ich der erste war …“ Alles, was wir tun, ist mit Sünde behaftet. Die Gerechtigkeit, die Reinheit, die wir von Christus bekommen, ist eine zugesprochene Gerechtigkeit und Reinheit. Nie reicht das, was wir tun, aus, um bei Gott Sühne zu wirken. Unsere besten Werke sind vor Gott wertlos, um für Sünde zu sühnen. Weder unsere Gebete, noch unsere finanziellen Gaben, noch nicht einmal unsere Busse kann Schuld löschen.

Nun, ich nehme an, die wenigsten von uns sind überzeugte römische Katholiken. Doch das falsche Menschenbild, das den Ablass attraktiv macht, ist auch für viele moderne Menschen noch attraktiv. Das gegenwärtige Menschenbild passt zu der falschen Annahme, dass wir doch etwas tun können, um Gott zu gefallen. Der Humanismus hat uns sehr geprägt: Wir sind eigentlich von Grund auf gut, kommen als unschuldige Babys zur Welt. Aber wenn wir aufwachsen, prägen uns unsere Geschwister, unsere Eltern, unsere Schulfreunde und -feinde und unsere Lehrmeister. Wir werden in unserer Kindheit und Jugend mit vielen negativen Erfahrungen geprägt. Das führt dazu, dass wir Fehlentscheidungen treffen. Aber im Grunde genommen meinten wir es die ganze Zeit gut. Wir sind nicht schlecht, wir tun nur manchmal schlechte Dinge. Und wenn wir ernsthaft und aufrichtig Gutes tun, ist Gott mit uns zufrieden.

Im Jahr 2005 wurde Buch veröffentlicht von dem amerikanischen Soziologen Christian Smith. Das Buch trägt den Titel: Soul Searching: The Religious and Spiritual Lives of American Teenagers. Smith befragte 3000 christliche Studenten nach ihrem Gottesbild. Das Ergebnis sah folgendermassen aus:

  1. Gott, der die Welt schuf und ordnete, wacht über das menschliche Leben.
  2. Gott möchte, dass die Menschen gut, nett und fair zueinander sind, so wie es die Bibel lehrt.
  3. Das Hauptziel des Lebens ist es, glücklich zu sein und sich gut zu fühlen und einen gesunden Selbstwert zu haben.
  4. Gott muss nicht speziell involviert sein im Leben, es sei denn, er wird gebraucht um ein Problem zu lösen.
  5. Gute Menschen kommen in den Himmel, wenn sie sterben.

Smith kreierte für diese Art von Christentum eine treffende Bezeichnung: „Moralistisch-therapeutischer Deismus“. Ein solches Gottesbild kommt daher, dass man die Tiefe der menschlichen Verdorbenheit nicht kennt. Ein solches Bild macht einerseits sorglos gegenüber der Ewigkeit. Viele Menschen glauben, sie seien schon in Ordnung. Ihr Leben sei ganz anständig. Im jüngsten Gericht wird Gott grosszügig die guten Absichten gegen die schlechten Taten wiegen und sie dann auf seine Seite herüberwinken. Doch andererseits gibt dieses falsche Bild uns keinen wirklichen Frieden, was die Ewigkeit betrifft. Viele Menschen sind in Unruhe und haben Angst, weil sie zuinnerst wissen, dass sie gegen die Gerechtigkeit eines heiligen Gottes kein Brot haben.

Die Bibel lehrt uns ein anderes Bild über die menschliche Natur einerseits, wie wir gesehen haben, und über das Sühnopfer Jesu andererseits. Was hat Jesus am Kreuz wirklich getan? Hat er nur einen Pool gefüllt, aus dem der Priester dann nach Belieben den Erlass für Sündenstrafe schöpfen kann? Oder hat Jesus mehr getan? Ist er tatsächlich anstelle von Sündern für ihre konkreten Sünden am Kreuz gestorben? Ermöglichte sein Tod Sühne oder sühnte sein Tod effektiv? Ich glaube, die Bibel lehrt uns Letzteres (Jesaja 53,3-11):

Jedoch unsere Leiden – er hat sie getragen, und unsere Schmerzen – er hat sie auf sich geladen. Wir aber, wir hielten ihn für bestraft, von Gott geschlagen und niedergebeugt. Doch er war durchbohrt um unserer Vergehen willen, zerschlagen um unserer Sünden willen. Die Strafe lag auf ihm zu unserm Frieden, und durch seine Striemen ist uns Heilung geworden. Wir alle irrten umher wie Schafe, wir wandten uns jeder auf seinen eigenen Weg; aber der Herr liess ihn treffen unser aller Schuld. Aus Drangsal und Gericht wurde er hinweggenommen. Und wer wird über sein Geschlecht nachsinnen? Denn er wurde abgeschnitten vom Lande der Lebendigen. Wegen des Vergehens seines Volkes hat ihn Strafe getroffen. Um der Mühsal seiner Seele willen wird er Frucht sehen, er wird sich sättigen. Durch seine Erkenntnis wird der Gerechte, mein Knecht, den Vielen zur Gerechtigkeit verhelfen, und ihre Sünden wird er sich selbst aufladen.

Hier ist von einer effektiven Stellvertretung die Rede, die keinen Raum lässt für irgendwelche Sünden, für die wir selber noch einen Tauschhandel durchführen müssen. Er trug die Sünde seines Volkes. Er wurde bestraft! Er trug die ganze Schuld von allen, die er erlöst hat! Ein weiterer deutlicher Hinweis ist in Hebräer 10 zu finden (Hebräer 10,14):

Denn mit einem Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer vollkommen gemacht.

Der Zusammenhang macht deutlich, dass die Heiligung, von der hier die Rede ist, nicht die progressive Heiligung ist. Denn in Vers zehn schreibt der Autor (Hebräer 10,10):

In diesem Willen sind wir geheiligt durch das ein für allemal geschehene Opfer des Leibes Jesu Christi.

Daraus schliessen wir, dass das ein für allemal dargebrachte Opfer Christi die Erwählten zum Zeitpunkt ihrer Heiligung, also zum Zeitpunkt, wenn sie zum Glauben kommen, für immer vollkommen gemacht worden sind. Der Apostel Paulus erklärt uns im Römerbrief, dass es sich nicht um eine uns innewohnende Vollkommenheit handelt, sondern eine, die uns von Gott geschenkt, aber nur zugesprochen worden ist. Es ist die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, die Reinheit von Jesus Christus, die uns zugerechnet worden ist, ohne unsere Verdienste und Werke. Darum ist keine Reinigung im Purgatorium und kein Abzahlen der Sündenstrafe mehr erforderlich.

Mit dem körperlichen Tod des Christen folgt darum die sofortige Verwandlung der erlösten Seele in die vollkommene Heiligkeit, die ihm schon in diesem Leben zugesprochen worden ist. Alles, was von Sünde durchzogen ist, fällt dann ab. Jesus verspricht dem Verbrecher am Kreuz, dass er sofort nach dem Tod mit Jesus im Paradies sein würde (Lukas 23,43). Und Paulus ist sich sicher, dass er sofort nach dem Sterben bei Christus sein wird (Philipper 1,23). Nicht weil irgendeine geistliche Qualität im Verbrecher oder in Paulus war, mit dem sie noch einen Tauschhandel hätten machen können, sondern weil sie sich ganz auf die Gnade Gottes in Jesus Christus warfen, weil ihnen Christi Gerechtigkeit aus Gnade angerechnet wurde.

Doch die Lehre des Ablasses spricht etwas an, was für unser Leben als Christ durchaus notwendig ist.

Eine biblische Alternative zum Ablass: Busse und Wiedergutmachung

In der 36. These schreibt Martin Luther folgendes: Jeder wahrhaft reumütige Christ erlangt vollkommenen Erlass von Strafe und Schuld; der ihm auch ohne Ablassbriefe zukommt. Natürlich spricht das Neue Testament davon, dass Busse auch im Leben des Christen notwendig ist. Und zwar nicht nur einmal, bei der Bekehrung, sozusagen. Martin Luther schreibt zurecht in der ersten These:

Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht „Tut Busse“, hat er gewollt, dass das ganze Leben der Gläubigen Busse sein soll.

These 11

Aber was ist genau Busse? Das griechische Wort bedeutet wörtlich: Sinnesänderung. Doch die Bibel macht deutlich, dass Busse mehr bedeutet, als einfach sachlich die eigene Meinung zu ändern. James Packer beschreibt in seinem umfassenden Buch über Heiligkeit (S. 168-171) sehr gut, was Busse ist. Zur Busse gehört:

  1. Die realistische Anerkennung, dass man Gott nicht gehorcht und vor ihm versagt hat, indem man statt Gutes zu tun Schlechtes tat (Jakobus 1,22.26; 1. Johannes 1,8).
  2. Die bedauernde Reue über die Unehre, die man dem Gott bereitet hat, den man gerade zu lieben lernt und dem man dienen möchte (Psalm 51,17; Lukas 15,17-20).
  3. Ein Ehrfürchtiges Bitten um Gottes Begnadigung, Reinigung des Gewissens und Hilfe, nicht wieder in dieselbe Lebensweise zurückzufallen (Psalm 51,7-12; Lukas 11,4).
  4. Die entschiedene Absage an die betreffenden Sünden mit bewusster Überlegung, wie man von ihnen frei bleibt und in Zukunft richtig leben kann (Matthäus 3,8).
  5. Die unerlässliche Wiedergutmachung an alle, die durch mein Fehlverhalten materiellen Schaden erlitten haben. (Lukas 19,8-10; Philipper 1,18-19).

Eine solche Busse ist nicht einfach ein kurzes Bekennen meiner Sünden, sondern sie ist ein gründliches Werk. Diese Form der Busse ist eine Gabe Gottes. Sie ist kein Werk, das aus unserer menschlichen Natur hervorkommt (Apostelgeschichte 11,18; 2. Korinther 7,9-10; 2. Timotheus 2,25). Sie ist gewirkt durch den Heiligen Geist und sie führt uns zurück in die ungetrübte Gemeinschaft mit Gott. Mit anderen Worten: Busse ist nicht die Grundlage oder Voraussetzung unseres Heils, sondern sie ist bereits eine Frucht des Heils. Wenn Christus durch die Verkündigung des Evangeliums einen Menschen auffordert, Busse zu tun und an das Evangelium zu glauben und dieser es dann wirklich tut, ist das das Gleiche, wie wenn Jesus dem toten Lazarus befiehlt, aufzustehen und aus dem Grab heraus zu kommen. Es ist ein Ding der Unmöglichkeit und darum ein göttliches Wunder.

Doch gerade weil wir bis zu unserem Lebensende Sünder sind, gerechtfertigte und geheiligte Sünder zwar, aber dennoch Sünder, oder um es mit Martin Luther zu sagen: Simul iustus et peccator (zugleich gerecht und Sünder) ist es für uns notwendig, uns immer wieder zu prüfen und fortwährend in einer bussfertigen Haltung zu leben. Und das beinhaltet auch das, was James Packer im fünften Punkt anspricht und wo auch der Ablass eine wichtige Sache anspricht, nämlich die Wiedergutmachung. Mein Fehlverhalten kann materiellen oder auch anderweitigen Schaden mit sich bringen. Wenn ich darum mein Fehlverhalten erkannt und eingesehen habe, wenn ich angefangen habe, mich in dieser Sache zu ändern, dann bin ich auch darum bemüht, entstandenen Schaden wieder gut zu machen. Wir erinnern uns an das Beispiel des Zöllners Zachäus, der sich Jesus vom Baum aus anschauen wollte, weil er so klein war. Jesus ruft ihn zu sich und lädt sich selber bei Zachäus ein. Zachäus erlebt eine radikale Umkehr und versichert Jesus (Lukas 19,8-10):

Zachäus aber stand und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte meiner Güter gebe ich den Armen, und wenn ich von jemand etwas durch falsche Anklage genommen habe, so erstatte ich es vierfach. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Haus Heil widerfahren, weil auch er ein Sohn Abrahams ist; denn der Sohn des Menschen ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Ein anderes Beispiel finden wir bei Paulus. In seinem Brief an Philemon schreibt er etwas Bemerkenswertes. Paulus schickt den Sklaven Onesimus an seinen Herrn Philemon zurück, nachdem Philemon durch Paulus zum Glauben gekommen ist. Wir kennen die genauen Umstände nicht. Aber Paulus schreibt Folgendes (Philemon 1,18-19):

Wenn er dir aber irgendein Unrecht getan hat oder dir etwas schuldig ist, so rechne dies mir an! Ich, Paulus, habe es mit meiner Hand geschrieben, ich will bezahlen.

Hier sehen wir wie Paulus bereit ist, Wiedergutmachung zu leisten, da wo durch Onesimus ein Schaden entstanden ist, weil Onesimus es als Sklave offensichtlich nicht kann.

Die Wiedergutmachung ist der letzte Beweis echter Busse. Sie gehört zum Leben des Christen, dort wo es nötig ist. Aber sie dient nicht der Vergebung der Sünden. Sie ist keine Abzahlung der Sündenstrafe auf Raten. Wiedergutmachung bezieht sich aber nie auf das Urteil im jüngsten Gericht, sondern es ist das Beheben eines Schadens, der durch Sünde entstanden ist bei den Personen, denen man den Schaden zugefügt hat.

Zusammenfassung

Als gefallene und sündhafte Menschen sind wir so von der Sünde durchdrungen, dass egal was wir tun, nichts uns irgendwie vor Gott Erlass von Strafe erwirken könnte. Alle unsere besten guten Werke sind von Sünde verunreinigt.

Die Lehre vom Ablass macht uns selbstsicher, sorglos und stolz einerseits, aber auch ängstlich, unruhig und unsicher andererseits.

Der Ablass aller zeitlicher und ewiger Sündenstrafe wird von Christus selber geschenkt und zwar in dem Moment, wo wir durch den Heiligen Geist wiedergeboren und erneuert werden, Busse tun, umkehren und auf Jesus Christus vertrauen, der für alle unsere Sünde am Kreuz gestorben ist.

Diese Umkehr aber und Busse, geschieht nicht nur einmal, sondern sie ist eine Haltung, die wir ein Leben lang einüben und die zur Folge hat, dass wir da, wo es nötig und möglich ist, Wiedergutmachung leisten zur Ehre Gottes.