Datum des Thesenanschlages

Seit einigen Jahrzehnten ist umstritten, ob Martin Luther am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen veröffentlichte. Der Reformator selbst beschrieb, dass er zuerst die kirchliche Obrigkeit über seine Gedanken zum Ablass informierte, bevor er sich an die Öffentlichkeit wandte. Ein Brief an den Erzbischof von Mainz, mit dem Luther seine Thesen sandte, ist auf das bekannte Datum datiert. Darum gehen Historiker davon aus, dass die Lehrpunkte später an die Kirchentür geschlagen wurden. Wie kam es zu dieser Überlieferung? Was zeichnet diesen Kalendertag aus?

An Allerheiligen (31. Oktober) wurde in der Schlosskirche in Wittenberg eine riesige Reliquiensammlung ausgestellt. Reliquien sind Knochenstückchen von Heiligen oder Gegenstände, die in ihrem Leben eine besondere Bedeutung gehabt haben sollen. Sie galten selbst als heilig. In der Ausstellung versprach man den Besuchern, dass den andächtigen Betrachtern 1370 Jahre Fegefeuer erlassen werde.

All jene, die zur jährlichen Schau kamen, wurden durch die Botschaft am Eingang überrascht. Nicht tote Knochen oder vermoderte Objekte können Sündenstrafe vergeben, sondern das lebendige Wort Gottes. An erster Stelle war zu lesen (1. These): «Da unser Herr und Meister Jesus Christus spricht Tut Busse! usw. (Mt 4,17)», hat er gewollt, dass das ganz Leben der Gläubigen Busse sein soll.»

Philipp Melanchton, ein Mitarbeiter Luthers, überlieferte nach dem Tod des Reformators das Datum des Thesenanschlages. Er stellte die Thesen in eine Geschichte, die den Gegensatz der Botschaft der Gnade, die durch das Evangelium offenbart wird, zum Irrtum der römischen Kirche verdeutlicht. Wer auf das hofft, was vor den Augen vermodert, ist verloren. Leben aber finden alle, die Vergebung bei Christus suchen.